Seiko Kaliber im Detail: NH35, NH36, 4R und 6R im Datenvergleich

Wer eine Automatikuhr mit Seiko-Werk kauft, begegnet früher oder später einer Reihe von Kaliberbezeichnungen, die auf den ersten Blick ähnlich klingen: NH35, NH36, 4R35, 4R36, 6R15, 6R35. Der Unterschied zwischen diesen Werken ist aber nicht kosmetisch, sondern funktional. Wer Handaufzug braucht, wer eine höhere Ganggenauigkeit erwartet oder wer schlicht verstehen will, warum dasselbe Seiko-Grundkonzept in so vielen Preissegmenten auftaucht, bekommt hier einen Vergleich auf Basis der Herstellerdaten.
Dieser Artikel vergleicht die gängigsten Seiko-Automatikkaliber anhand ihrer technischen Daten: Schwingfrequenz, Gangreserve, Hacking-Funktion (Sekundenzeiger stoppt beim Ziehen der Krone zum genauen Stellen) und Handaufzug. Dazu ordnet er ein, in welchen Uhren des Sortiments diese Werke tatsächlich verbaut sind.
Warum Seiko-Kaliber so oft verbaut werden: Herkunft und Ruf
Seiko stellt seine Automatikkaliber im eigenen Haus her. Der Zulieferer heißt Seiko Instruments Inc. (SII) und beliefert nicht nur die eigenen Seiko-Modelle, sondern auch zahlreiche andere Uhrenmarken weltweit. Das NH35 etwa ist eines der am häufigsten eingesetzten Automatikkaliber überhaupt, weit über die eigene Marke hinaus.
Der Grund dafür liegt in der Kombination aus verlässlicher Technik, günstiger Fertigung und breiter Ersatzteilversorgung. SII produziert diese Werke in sehr hohen Stückzahlen. Reparaturen und Revisionen sind dadurch in fast jeder Uhrmacherwerkstatt möglich. Das ist ein praktischer Vorteil, der in keinem Datenblatt steht, aber bei einer Uhr, die man jahrelang tragen will, eine Rolle spielt.
Seit Seiko 2026 mit dem Astron-Kaliber 5X83 zeigt, dass die Marke ihre Werks-Kompetenz aktiv weiterentwickelt (nachzulesen auf der Seiko-Markenwebsite), ist das Interesse an der gesamten Kaliber-Familie gewachsen. Die unten beschriebenen Kaliber bilden die breitere Basis.
NH35 und NH35A: das meistgenutzte Basiswerk mit Daten
Das NH35 ist das Standardkaliber der Seiko-NH-Linie. Es arbeitet mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz) und liefert eine Gangreserve von rund 41 Stunden. Der Sekundenzeiger lässt sich durch Ziehen der Krone stoppen, was das minutengenaue Stellen erleichtert. Handaufzug über die Krone ist beim NH35 nicht vorgesehen.
Das NH35A ist die Revision des NH35 mit geringfügig überarbeiteten Toleranzen bei einzelnen Bauteilen, funktional aber identisch. Die Unterschiede sind für den Träger nicht wahrnehmbar. In der Praxis werden NH35 und NH35A oft synonym verwendet, auch in Produktbeschreibungen.
Technische Daten NH35 / NH35A
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Frequenz | 21.600 A/h (3 Hz) |
| Gangreserve | ca. 41 Stunden |
| Hacking | Ja |
| Handaufzug | Nein |
| Datumsanzeige | Ja (keine Tagesanzeige) |
| Lageranzahl | 24 |

NH36 und NH36A: Datumsanzeige und Unterschiede zum NH35
Das NH36 basiert auf demselben Grundwerk wie das NH35, fügt aber eine zusätzliche Anzeige hinzu: den Wochentag. Statt nur des Datumsfensters zeigt das NH36 also Datum und Wochentag, in der Regel in zwei separaten Fenstern auf dem Zifferblatt. Frequenz, Gangreserve und Hacking-Funktion sind identisch mit dem NH35. Handaufzug gibt es auch beim NH36 nicht.
Das NH36A ist wiederum die Revisionsversion mit denselben kleinen Fertigungsanpassungen wie beim NH35A. Für die tägliche Nutzung gibt es keinen Unterschied. Die Wahl zwischen NH35 und NH36 hängt ausschließlich davon ab, ob man die Wochentag-Anzeige haben will oder nicht.


4R35 und 4R36: Handaufzug als Unterschied zum NH
Die 4R-Kaliber sind die nächste Stufe in der Seiko-Hierarchie unterhalb der 6R-Linie. Auf technischer Ebene ist der wichtigste Unterschied zu den NH-Werken der Handaufzug: Das 4R35 und das 4R36 lassen sich über die Krone manuell aufziehen, was bei den NH-Kalibern nicht möglich ist.
Das 4R35 zeigt Datum und Wochentag, das 4R36 ebenfalls. Beide haben eine Gangreserve von rund 41 Stunden und arbeiten mit 21.600 A/h, identisch zu den NH-Kalibern. Hacking ist vorhanden. Der praktische Vorteil des Handaufzugs: Wer die Uhr nach einer Pause wieder anlegen will, kann sie vollständig aufziehen, ohne sie zunächst minutenlang tragen zu müssen.
Technische Daten 4R35 / 4R36
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Frequenz | 21.600 A/h (3 Hz) |
| Gangreserve | ca. 41 Stunden |
| Hacking | Ja |
| Handaufzug | Ja |
| Datumsanzeige | Ja (+ Wochentag) |
| Lageranzahl | 24 |



6R15 und 6R35: höhere Ganggenauigkeit im Mittelfeld
Die 6R-Kaliber sind innerhalb der allgemeinen Seiko-Linie (unterhalb von Grand Seiko) die Werke mit dem höchsten Ausbaugrad. Das 6R15 arbeitet mit 21.600 A/h, hat aber eine deutlich längere Gangreserve von rund 50 Stunden. Hacking und Handaufzug sind beide vorhanden.
Das 6R35 ist eine neuere Variante mit verlängerter Gangreserve von rund 70 Stunden. Es hat ebenfalls 21.600 A/h, Hacking und Handaufzug. Die Herstellerangabe zur Ganggenauigkeit liegt bei -15 bis +15 Sekunden pro Tag, was für ein Automatikwerk im mittleren Preissegment einen guten Richtwert darstellt. Zum Vergleich: Bei NH- und 4R-Kalibern sind die offiziellen Toleranzen weiter gefasst.
Wer eine Automatikuhr kauft und dabei Wert auf eine längere Gangreserve und engere Fertigungstoleranzen legt, ist mit einem 6R-Kaliber besser bedient als mit einem NH35 oder 4R36. Das spiegelt sich in der Regel auch im Preis der Uhr.
Technische Daten 6R15 / 6R35
| Merkmal | 6R15 | 6R35 |
|---|---|---|
| Frequenz | 21.600 A/h | 21.600 A/h |
| Gangreserve | ca. 50 Stunden | ca. 70 Stunden |
| Hacking | Ja | Ja |
| Handaufzug | Ja | Ja |
| Ganggenauigkeit (Herstellerangabe) | -15 bis +15 s/Tag | -15 bis +15 s/Tag |
| Datumsanzeige | Ja (+ Wochentag) | Ja |
Kaliber-Vergleichstabelle: Gangreserve, Frequenz, Hacking und Handaufzug
Die folgende Tabelle fasst alle genannten Kaliber auf einen Blick zusammen. Sie macht deutlich, wo die eigentlichen Unterschiede liegen und welches Kaliber für welchen Anwendungsfall sinnvoller ist.
| Kaliber | Frequenz | Gangreserve | Hacking | Handaufzug | Datumsanzeige | Wochentag |
|---|---|---|---|---|---|---|
| NH35 / NH35A | 21.600 A/h | ca. 41 h | Ja | Nein | Ja | Nein |
| NH36 / NH36A | 21.600 A/h | ca. 41 h | Ja | Nein | Ja | Ja |
| 4R35 | 21.600 A/h | ca. 41 h | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 4R36 | 21.600 A/h | ca. 41 h | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 6R15 | 21.600 A/h | ca. 50 h | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 6R35 | 21.600 A/h | ca. 70 h | Ja | Ja | Ja | Ja (je Modell) |
Ein Hinweis zur Einordnung: Alle genannten Kaliber haben dieselbe Schwingfrequenz von 21.600 A/h. Das bedeutet, der Sekundenzeiger bewegt sich in Schritten von einem Sechstel Sekunde. Höherfrequente Werke wie etwa 28.800 A/h (8 Halbschwingungen pro Sekunde) bewegen den Zeiger flüssiger, kommen in dieser Kaliber-Familie aber nicht vor. Wer das als Kriterium hat, muss zu anderen Werken greifen, etwa dem Seiko-Kaliber 6R31 oder Modellen anderer Hersteller.
Wer mehr über den Vergleich mit anderen Markenwerken wissen will, findet eine breitere Übersicht im Artikel Automatik-Kaliber im Überblick: Miyota, Seiko NH und Sellita.
In welchen Uhren des Sortiments stecken diese Werke
Im Sortiment von uhren4you sind Seiko-Automatikuhren mit 4R36 besonders gut vertreten, vor allem in der Seiko 5 Sports-Linie. Diese Modelle liegen im mittleren dreistelligen Bereich und decken verschiedene Designs ab: Field-Watch-Optik, Tauchuhr-Hommagen und kompaktere Alltagsmodelle.
Das NH35 und NH36 findet sich nicht nur in Seiko-eigenen Modellen, sondern auch bei anderen Marken im Sortiment, die SII-Werke einbauen. Ein konkretes Beispiel: Die Sturmanskie Open Space-Modelle arbeiten mit dem NH36A und kombinieren das Seiko-Werk mit russischem Design-Erbe. Die Vostok Europe Rocket N1 setzt auf das NH35.


Das 6R15 und 6R35 kommen in teureren Seiko-Linien vor, etwa in der Presage-Serie. Im Sortiment findet man diese Kaliber seltener als das 4R36, aber in Modellen mit gehobenerem Zifferblattdesign und oft besserem Glastyp (Saphirglas statt Mineralglas). Einen guten Überblick über die gesamte Modellhierarchie bietet der Artikel Seiko Uhren einordnen: Modellreihen, Werke und Preislagen.