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Automatik-Kaliber im Überblick: Miyota, Seiko NH und Sellita

09. September 2026

Automatik-Kaliber im Überblick: Miyota, Seiko NH und SellitaImmagine generata con IA

Wer eine Automatikuhr kauft, stößt schnell auf Kaliberbezeichnungen wie Miyota 8215, Seiko NH35 oder Sellita SW200. Was steckt hinter diesen Zahlen, und macht es einen Unterschied, welches Werk in einer Uhr verbaut ist? Dieser Artikel vergleicht die technischen Daten der gebräuchlichsten Automatik-Kaliber im Mittelfeld, ohne eigene Messungen: Grundlage sind die veröffentlichten Herstellerdaten und die Kaliberangaben aus dem Produktkatalog.

Ein Kaliber ist nicht dasselbe wie ein Werk. Das Werk ist die fertige, einbaufertige Einheit; das Kaliber ist die Typenbezeichnung des Werkherstellers, vergleichbar mit einer Modellnummer. Wer die Kaliber kennt, kann Uhren aus verschiedenen Preisklassen und Marken direkt miteinander vergleichen, auch wenn die Gehäuse völlig unterschiedlich aussehen.

Was ein Kaliber aussagt: Bezeichnung, Herkunft und Leistungsdaten verstehen

Die Kaliberbezeichnung verrät, von welchem Hersteller das Rohwerk stammt und welche technische Generation es repräsentiert. Miyota (eine Tochtergesellschaft von Citizen) vergibt vierstellige Nummern wie 8215 oder 9015. Seiko nutzt alphanumerische Kürzel wie NH35 oder 4R36. Sellita, ein Schweizer Rohwerkhersteller, orientiert sich historisch an ETA-Bezeichnungen: SW200 entspricht in Grundarchitektur dem ETA 2824-2.

Relevante Leistungsdaten eines Kalibers sind: die Ganggenauigkeit in Sekunden pro Tag, die Gangreserve in Stunden, die Schwingungsfrequenz (Schlagzahl) in Halbschwingungen pro Stunde (A/h), das Vorhandensein einer Stoßsicherung sowie ob eine Sekundenstopp-Funktion (Hacking) vorhanden ist. Letztere erlaubt das sekundengenaue Stellen der Uhr: Beim Herausziehen der Krone stoppt der Sekundenzeiger.

Für den Alltag weniger relevant, aber für Uhreninteressierte ein Kriterium: ob das Kaliber modifizierbar oder mit Dekorarbeiten veredelbar ist. Schweizer Rohwerke wie Sellita oder ETA sind in dieser Hinsicht besser dokumentiert und von mehr unabhängigen Uhrmachern beherrschbar als manche asiatische Kaliber.

Miyota-Werke: 8215, 9015 und JS25 im technischen Profil

Miyota produziert in Japan und ist weltweit einer der mengenmäßig größten Automatik-Rohwerkhersteller. Die Kaliber der 8er-Serie, allen voran das 8215, gelten als besonders robust und wartungsarm. Das 8315 ist eine Weiterentwicklung mit Sekundenstopp.

Miyota 8215 und 8315

Das 8215 schwingt mit 21.600 A/h (6 Schwingungen pro Sekunde), was einem sichtbar ruckenden Sekundenzeiger entspricht. Die Ganggenauigkeit liegt laut Herstellerangabe bei -10 bis +30 Sekunden pro Tag. Das ist für eine Serienautomatik typisch, aber am unteren Rand der Toleranz nach oben hin. Das 8315 ergänzt das 8215 um die Sekundenstopp-Funktion, was das Stellen der Uhr erleichtert. Beide Kaliber haben eine Gangreserve von 42 Stunden.

Miyota 9015

Das 9015 ist das flachere und präzisere Flaggschiff der Miyota-Automatik-Linie. Es schwingt mit 28.800 A/h, was einem gleichmäßigeren Lauf des Sekundenzeigers entspricht. Die angegebene Ganggenauigkeit verbessert sich auf -10 bis +15 Sekunden pro Tag. Die Gangreserve beträgt 42 Stunden. Das 9015 eignet sich für flachere Gehäuse und wird von Marken wie Sternglas eingesetzt, wenn eine schlanke Bauhöhe Priorität hat.

Miyota JS25

Das JS25 ist ein Skelett-Kaliber mit sichtbarem Rotor. Es basiert auf der 8er-Plattform und wird in Uhren mit offenem Zifferblatt verbaut. Die technischen Grunddaten sind mit dem 8215 vergleichbar, der Unterschied liegt in der optischen Gestaltung: Der Rotor und die Platine sind für den Sichtbetrieb bearbeitet.

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Seiko-Kaliber: NH35, NH36 und 4R36 in Daten und Praxis

Seiko stellt seine Automatik-Rohwerke über die Tochtergesellschaft TMI (Time Module Inc.) bereit. Die NH-Serie ist die aktuelle Standardlinie für den Export und ersetzt schrittweise die ältere 4R-Baureihe.

Seiko NH35 und NH36

Das NH35 ist ein Dreizeiger-Kaliber mit Sekundenstopp und beidseitigem Aufzug. Es schwingt mit 21.600 A/h und erreicht laut Herstellerangabe eine Ganggenauigkeit von -20 bis +40 Sekunden pro Tag. Das ist großzügiger toleriert als das Miyota 8215. Die Gangreserve liegt bei 41 Stunden. Das NH36 fügt einen Tagesanzeiger zum Datum hinzu; technisch sind beide Kaliber sonst identisch. Die NH-Serie löste die älteren 4R35/4R36-Kaliber ab, die konstruktiv sehr ähnlich sind, aber ältere Produktionsstandards widerspiegeln.

Seiko 4R36

Das 4R36 ist der Vorgänger des NH36 und bietet Datum, Tag und Sekundenstopp bei 21.600 A/h. Ganggenauigkeit und Gangreserve entsprechen weitgehend dem NH36. Es ist heute noch in vielen Modellen anzutreffen, die vor der NH-Umstellung produziert wurden. Wer eine Uhr mit 4R36 findet, bekommt ein technisch gleichwertiges, etwas älteres Kaliber.

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Sellita SW200 und SW300: Schweizer Rohwerke im Mittelfeld

Sellita mit Sitz in La Chaux-de-Fonds ist der wichtigste unabhängige Schweizer Rohwerkhersteller. Das Unternehmen entstand als Zulieferer und Alternative, nachdem ETA (Swatch Group) begann, seine Rohwerklieferungen an unabhängige Marken einzuschränken.

Sellita SW200

Das SW200 ist ein Dreizeiger-Kaliber mit Datum, das in Aufbau und Abmessungen dem ETA 2824-2 sehr ähnlich ist. Es schwingt mit 28.800 A/h und erreicht eine Ganggenauigkeit von -7 bis +12 Sekunden pro Tag in Standardausführung. Die Gangreserve beträgt 38 Stunden. Sekundenstopp ist vorhanden. Das SW200 ist bei Schweizer Marken der mittleren Preislage verbreitet, weil es in Schweizer Qualitätsrahmen gefertigt wird und die Austauschbarkeit mit ETA-Teilen weitgehend gewährleistet ist.

Sellita SW300

Das SW300 ist ein flacheres Kaliber mit 28.800 A/h, konzipiert für schlankere Gehäuse. Die Ganggenauigkeit entspricht dem SW200. Die Gangreserve liegt bei 38 Stunden. Das SW300 findet sich in Uhren, bei denen die Bauhöhe des Kalibers ein Designkriterium ist, zum Beispiel in dünnen Dress-Watches.

ETA-Werke: Referenzpunkt und Vergleichsbasis

ETA SA, Teil der Swatch Group, ist historisch der Maßstab für Schweizer Rohwerke im Mittelfeld. Das ETA 2824-2 (Dreizeiger mit Datum, 28.800 A/h, Gangreserve 38 bis 80 Stunden je nach Ausführung) und das ETA 2836-2 (mit Tagsanzeiger) sind die meistzitierten Referenzkaliber. Seit ETA seine Rohwerklieferungen schrittweise auf Swatch-Group-Marken beschränkt, ist Sellita für viele unabhängige Hersteller zum direkten Ersatz geworden.

ETA selbst spezifiziert das 2824-2 je nach Ausführungsstufe (Elaborée, Top, Chronométre) mit unterschiedlichen Toleranzen: von -7/+13 Sekunden pro Tag in Elaborée bis -4/+6 in Chronométre-Abstimmung. Das zeigt, dass dieselbe Kaliber-Basis durch Selektion und Feinregulierung deutlich unterschiedliche Gangwerte erreichen kann.

Ganggenauigkeit, Gangreserve und Schlagzahl im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen Kennwerte zusammen. Die Angaben stammen aus den veröffentlichten Herstellerspezifikationen.

Kaliber Hersteller Schlagzahl (A/h) Gangreserve (Std.) Ganggenauigkeit (Sek./Tag) Sekundenstopp
Miyota 8215 Miyota (JP) 21.600 42 -10 / +30 Nein
Miyota 8315 Miyota (JP) 21.600 42 -10 / +30 Ja
Miyota 9015 Miyota (JP) 28.800 42 -10 / +15 Ja
Seiko NH35 TMI / Seiko (JP) 21.600 41 -20 / +40 Ja
Seiko NH36 TMI / Seiko (JP) 21.600 41 -20 / +40 Ja
Seiko 4R36 TMI / Seiko (JP) 21.600 41 -20 / +40 Ja
Sellita SW200 Sellita (CH) 28.800 38 -7 / +12 Ja
Sellita SW300 Sellita (CH) 28.800 38 -7 / +12 Ja
ETA 2824-2 (Elab.) ETA (CH) 28.800 38-80 -7 / +13 Ja

Ein wichtiger Hinweis zur Lesart: Die angegebene Ganggenauigkeit ist eine Werkstoleranzvorgabe, keine individuelle Messung. Ein konkretes Exemplar kann innerhalb oder auch leicht außerhalb dieses Rahmens liegen, abhängig von Einbaulage, Temperatur und Tragegewohnheiten. Wer auf Sekunden genau gehen will, ist mit einer Quarzuhr besser bedient. Die Grundunterschiede zwischen Quarz, Automatik und anderen Antriebsarten sind an anderer Stelle ausführlicher erklärt.

Welches Kaliber passt zu welchem Budget und Anspruch

Die Entscheidung hängt von mehreren Kriterien ab: Preis der Uhr, Herkunftsanspruch, Stilvorstellung und ob eine Sekundenstopp-Funktion gewünscht wird.

Anspruch / Situation Empfehlenswertes Kaliber Begründung
Erste Automatik, robuster Alltag Miyota 8315 oder Seiko NH35 Robust, günstig, leicht zu warten
Flaches Gehäuse, Dressuhr Miyota 9015 oder Sellita SW300 Geringe Bauhöhe, höhere Frequenz
Schweizer Herkunft wichtig Sellita SW200 oder SW300 Swiss Made-fähig, ETa-kompatibel
Präzision als Priorität Sellita SW200 oder Miyota 9015 Engere Toleranzen als NH35/8215
Sichtwerk / Skelett-Design Miyota JS25 oder 9015 Für Sichtbetrieb geeignete Bearbeitung

Wer eine Automatikuhr im Preisbereich bis 500 Euro sucht, wird in der Regel mit einem der oben genannten Kaliber konfrontiert. Das Kaliber allein entscheidet nicht über die Qualität der fertigen Uhr: Glasart (Saphir oder Mineral), Gehäuseverarbeitung, Wasserdichte und das Band sind ebenso wichtig. Mehr dazu, was Selbstaufzug im Alltag konkret bedeutet, erklärt der Artikel Automatikuhren für Einsteiger.

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Miyota veröffentlicht technische Übersichten seiner aktuellen Kaliber-Linie, die als Referenz für Grunddaten wie Frequenz und Gangreserve dienen können: Miyota Kaliber-Übersicht (PDF).

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet die Schlagzahl eines Uhrwerks in der Praxis?
Die Schlagzahl gibt an, wie oft die Unruh pro Stunde schwingt. 21.600 A/h entsprechen 6 Schwingungen pro Sekunde, 28.800 A/h entsprechen 8. Eine höhere Schlagzahl ergibt einen gleichmäßigeren Lauf des Sekundenzeigers und kann zu höherer Ganggenauigkeit beitragen, weil mehr Regelzyklen pro Zeiteinheit stattfinden. Sie erhöht aber auch den Verschleiß und den Ölbedarf des Werks.
Ist das Seiko NH35 schlechter als das Sellita SW200?
Die angegebene Toleranz des NH35 (-20 bis +40 Sek./Tag) ist weiter als die des SW200 (-7 bis +12). Das bedeutet nicht, dass jedes NH35-Exemplar ungenauer läuft; es bedeutet, dass Seiko eine breitere Werkstreuung toleriert. Das SW200 ist enger spezifiziert und damit im Schnitt etwas präziser, kostet aber in der fertigen Uhr in der Regel mehr. Wer Sekunden pro Tag zählt, liegt mit dem SW200 günstiger; wer Robustheit und Preis priorisiert, findet im NH35 ein sehr solides Kaliber.
Ist Sellita eine eigene Entwicklung oder eine ETA-Kopie?
Sellita hat seine SW-Kaliber auf Basis der ETA-Architektur entwickelt, jedoch mit eigenen Bauteilen. Die Abmessungen und Teilkompatibilität sind weitgehend gewahrt, aber es handelt sich um eigenständige Produkte. Sellita-Kaliber sind für unabhängige Marken seit der ETA-Lieferbeschränkung die wichtigste Alternative geblieben und haben sich im Markt etabliert.
Welchen Unterschied macht das Kaliber gegenüber dem Gehäuse?
Das Kaliber bestimmt Ganggenauigkeit, Gangreserve, Komplikationen und Wartungsintervall. Das Gehäuse bestimmt Wasserdichte, Glasart, Tragekomfort und optische Anmutung. Beide Faktoren zusammen ergeben die Qualität einer Uhr. Ein hochwertiges Kaliber in einem schlecht verarbeiteten Gehäuse mit Mineralglas und geringer Wasserdichte ist kein Vorteil gegenüber einem Basiswerk in einem robusten Gehäuse mit Saphirglas, wenn letzteres im Alltag besser schützt.
Was ist der Unterschied zwischen Kaliber und Werk?
Das Werk ist die fertige, einbaufertige mechanische Einheit inklusive aller Federn, Räder, Unruh und des Rotors. Das Kaliber ist die Typenbezeichnung dieser Einheit, vergleichbar mit einer Modellnummer. Zwei Uhren mit Miyota 8215 haben dasselbe Kaliber, können aber unterschiedliche Werks-Ausführungen oder Veredelungsstufen enthalten.
Wie lange hält eine Automatik ohne Tragen?
Die Gangreserve der hier besprochenen Kaliber liegt zwischen 38 und 42 Stunden. Eine Uhr, die abgelegt wird, läuft demnach rund eineinhalb bis zwei Tage weiter. Danach muss sie entweder durch Tragen oder durch manuelles Aufziehen über die Krone wieder in Schwung gebracht werden. Wer mehrere Automatikuhren wechselnd trägt, sollte einen Uhrenbeweger in Betracht ziehen.
Lohnt sich das Miyota 9015 gegenüber dem 8215?
Das 9015 schwingt mit 28.800 statt 21.600 A/h, ist flacher und erreicht engere Gangwerte. Es findet sich in Uhren, die entweder besonders flach gebaut sind oder bei denen die Marke eine höhere Präzision kommunizieren will. Der Aufpreis gegenüber 8215-Uhren ist real, aber moderat. Wer Wert auf einen ruhigeren Sekundenzeiger und etwas engere Toleranz legt, findet im 9015 das bessere Kaliber. Wer hauptsächlich Robustheit und einen niedrigen Einstiegspreis sucht, kommt mit dem 8215 oder 8315 gut aus.